Die Augsburger Domsingknaben feiern dieses Jahr 50-jähriges Jubiläum. Im Gespräch mit Klassik Radio-Redakteurin Farah Losch erzählt der künstlerische Leiter der Augsburger Domsingknaben, Stefan Steinemann, von der Bedeutung des Jubiläums, den Highlights aus 50 Jahren und den Feierlichkeiten rund um das Jubiläum.

KR: Sie feiern 50 Jahre Augsburger Domsingknaben. Extra für das Jubiläum gibt es ganz besondere Konzerte. Was erwartet denn die Hörer?
Steinemann: Die Hörer erwartet ein über 50-stimmiges Werk. Wir haben uns für unser Jubiläum eine barocke Pracht herausgesucht mit der „Missa Salisburgensis a 53 voci“ von Heinrich Ignaz Franz Biber. Ein Werk, das mit sehr vielen Stimmen besetzt ist, mit einem ganz großen Orchester und einen äußerst feierlichen Rahmen geben soll für unsere 50 Jahre Jubiläum.
KR: Das Konzert stellt aber nur einen Teil der Feierlichkeiten dar. Wie wird das Jubiläum denn noch gefeiert?
Steinemann: Im Prinzip feiern wir schon das ganze Jahr. Wir haben bereits große Touren gehabt. Wir waren in Dänemark und Schweden. Wir waren in Guatemala. (…) Wir werden das Festkonzert im Augsburger Dom haben, also in unserer Heimspielstätte, wenn man das so sagen kann. Wir haben aber auch noch einen großen Festgottesdienst dann am Samstag, den 31. Oktober in unserem Augsburger Dom mit unserem Bischof, wo dann alle Chöre der Domsingknaben singen werden – also von den ganz Kleinen hin bis zu den ganz Großen. Auch die ehemaligen Domsingknaben werden dann in einem Festakt noch in Erscheinung treten. Im Goldenen Saal im Augsburger Rathaus werden sie zu hören sein.
KR: Was bedeutet Ihnen oder den Augsburger Domsingknaben denn das Jubiläum?
Steinemann: Also mir persönlich bedeutet das sehr viel. Ich bin selbst schon groß geworden bei den Domsingknaben, habe hier also auch die Sängerlaufbahn durchlaufen dürfen und bin jetzt gewissermaßen auf der anderen Seite des Notenpuls.
Und es ist natürlich eine Gelegenheit, einerseits zurückzublicken. (…) Und gleichzeitig ist es natürlich auch der Blick nach vorne, dass wir aus dieser Tradition heraus weiterhin viele, viele Stimmen ausbilden möchten und auch begeistern möchten für die Musik, für den Gemeinschaftssinn, für das Miteinander musizieren. (…)
KR: Wenn wir in die Vergangenheit blicken – was war denn der Beginn der Augsburger Domsingknaben?
Steinemann: Also, wenn wir auf die Geschichte zurückblicken, die noch vor den heutigen Domsingknaben zurückgeht, dann haben wir eine Knabenchor-Schule oder eine Chorschule am Dom, die ein Stück weit an ein Internat erinnern mag, wo aber natürlich eine Chorstruktur, wie wir sie heute bei den Augsburger Domsingknaben kennen, noch nicht da gewesen ist. (…) Im Zuge der Säkularisation wurde diese Institution und diese Schule dann aufgelöst und es hat dann erst mal keinen Knabenchor mehr am Dom gegeben. Es entstand ein gemischter Kirchenchor, wie wir das heute kennen. Und im 17. Jahrhundert, 1976, hat mein Vorgänger, Reinhard Kamler, die Domsingknaben eigentlich neu gegründet. (…) Und innerhalb von kurzer Zeit hat er es geschafft, diesen Chor zu einem wirklich renommierten Knabenchor zu bilden und auch weiterzuentwickeln.
KR: Seitdem hat sich bestimmt einiges verändert, oder?
Steinemann: Ja, also (…) es verändert sich natürlich einerseits mit den Menschen, die in dieser Institution sind. (…) Aber vor allem auch durch die äußeren Einflüsse. (…) Das sind Dinge wie ein grundsätzliches Familienbild (...) die Digitalisierung oder die Schnelllebigkeit der Gesellschaft. Und ich denke, was unverändert bleibt, aber natürlich ein Stück weit immer auch eine Reaktion auf diese äußeren Einflüsse haben muss, ist, dass wir im Prinzip ein Stück weit, wie soll ich sagen, auch eine gewisse Blase bilden können für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene. Einen Raum, um in eine Welt einzutauchen, die von einem ganz großen Gemeinschaftssinn und von einem ganz großen Miteinander lebt. Einem Gefüge, wo man merkt, dass es auf jeden einzelnen ankommt und man sich ein Stück weit aber auch auf jeden einzelnen verlassen darf.
KR: Was ist denn Ihr Highlight aus 50 Jahren?
Steinemann: Also aus 50 Jahren kann ich es persönlich wahrscheinlich gar nicht abbilden. Und das fällt sehr schwer, wenn man sieht, dass es einfach eine unheimlich große Zahl an tollen Erlebnissen ist.
Jetzt ganz unmittelbar war unsere Reise nach Guatemala ein fantastisches Erlebnis, das letztendlich dann auch vergleichbar ist mit den vielen Reisen, die wir in den letzten Jahren gemacht haben (…). Denn zu sehen, was dort entsteht, einerseits musikalisch, im Sinne auch einer, ja man könnte sagen, Völkerverständigung, (…) aber gleichzeitig auch für uns, innerhalb des Chores, wie gemeinschaftsstärkend so eine Reise sein kann, (…) das ist etwas ganz Besonderes. Es ist eigentlich dann weniger dieser singuläre Moment, auf den man zurückblickt, sondern vielmehr auf das, was daraus entsteht und das sind natürlich Erinnerungen, die man sein ganzes Leben über mit Stolz mit sich trägt.
KR: Schön! Vielen Dank für das Gespräch.
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