„Man sollte mehr miteinander machen“ – Wie zwei 15-Jährige die Klassik neu denken

„Man sollte mehr miteinander machen“ – Wie zwei 15-Jährige die Klassik neu denken

Mit 15 Jahren eine eigene Konzertreihe auf die Beine stellen? Für Eren Parmakerli ist das kein Grund, lange zu überlegen. Mit „Music Makes Friends“ möchte der junge Pianist in Karlsruhe Menschen zusammenbringen, Gleichaltrige für die Klassik begeistern und zeigen, dass es in der Musikwelt um mehr gehen sollte als um Wettbewerb und Leistung.

Eren Parmakerli und Paul GurtiFoto: Canan Czemmel

Klassische Musik und Jugendliche – das scheint auf den ersten Blick nicht unbedingt eine selbstverständliche Verbindung zu sein. Eren Parmakerli möchte das ändern. Der 15-Jährige hat gemeinsam mit dem jungen Pianisten Paul Gurti in Karlsruhe eine eigene Konzertreihe ins Leben gerufen. Ihr Name ist Programm: „Music Makes Friends“. Dahinter steckt allerdings mehr als der Wunsch, jungen Menschen klassische Musik näherzubringen. Es geht um Gemeinschaft, Begegnungen und einen anderen Umgang miteinander.

Eren weiß, wovon er spricht. Er besucht die elfte Klasse, studiert Klavier am Pre-College der Hochschule für Musik Karlsruhe und ist Jungstudent bei Professor Sontraud Speidel. Die klassische Musikwelt kennt er also nicht nur aus dem Publikum, sondern vor allem von der Bühne. Und dort hat er etwas beobachtet, das ihm nicht gefällt: den starken Konkurrenzgedanken unter jungen Musikerinnen und Musikern.

„Die Idee dahinter ist dem Konkurrenzgefühl entgegenzuwirken, dass vor allem unter jungen Musikern sehr präsent ist“, erzählt er im Gespräch mit Klassik Radio.

Gerade Wettbewerbe, bei denen es naturgemäß darum geht, sich gegen andere durchzusetzen, können das Miteinander erschweren. Dabei verbindet die jungen Talente eigentlich eine gemeinsame Leidenschaft. „Schlussendlich sind wir ja alle auf dem gleichen Weg Musiker zu werden und ich finde, unabhängig von diesen Wettbewerben z.B. sollte man mehr miteinander machen“, sagt Eren.

Aus diesem Gedanken heraus ist „Music Makes Friends“ entstanden. Er möchte Musiker zusammenbringen, die sich sonst vielleicht eher als Konkurrenten begegnen würden. Gemeinsam musizieren, sich austauschen und Freundschaften knüpfen – das soll bei seiner Konzertreihe genauso wichtig sein wie die Musik selbst.

Eren Parmakerli
Foto: Canan Czemmel
Initiator von "Music makes friends": Der 15-jährige Eren Parmakerli.

Klassik enstaubt

Doch Eren und Paul haben noch ein zweites Ziel: Er möchte Jugendliche erreichen, die mit klassischer Musik bislang wenig Berührungspunkte haben. Dafür setzen sie auf ein Format, das bewusst mit den Erwartungen an einen traditionellen Konzertabend spielt.

Die Konzerte finden in der Kleinen Kirche mitten am Karlsruher Marktplatz statt. Das Publikum erwartet nicht nur musikalische Darbietungen, sondern auch Gespräche mit den Künstlerinnen und Künstlern. Sie erzählen von den gespielten Werken, geben persönliche Einblicke und werden so auch abseits ihrer musikalischen Leistung greifbar. Das Publikum darf Fragen stellen und selbst Teil des Abends werden.„Und außerdem finden die Konzerte, also anders als die meisten klassischen Konzerte, im Gesprächsformat statt, was die Atmosphäre auch ziemlich auflockert“, erklärt Eren.

Auch bei der Programmgestaltung hat er eine klare Vorstellung: Neben bekannten Werken soll immer mindestens ein Stück dabei sein, das selten gespielt wird oder das Publikum vielleicht noch gar nicht kennt. Es geht darum, neugierig zu machen und neue musikalische Welten zu öffnen.

Unterschiedliche Hintergründe, eine gemeinsame Sprache

Was Eren an seiner Konzertreihe ebenfalls wichtig ist: die Vielfalt der Menschen, die auf der Bühne stehen. Die eingeladenen Musiker bringen unterschiedliche kulturelle Hintergründe mit. Diese sollen nicht einfach nur Teil ihrer persönlichen Geschichte bleiben, sondern auch im Gespräch über die Musik eine Rolle spielen.

Welche Einflüsse prägen die Künstler? Welche Bedeutung hat ihre Herkunft für ihre musikalische Arbeit? Und wie begegnen sich unterschiedliche musikalische Traditionen? Auch solchen Fragen möchte Eren Raum geben.

So wird aus einem Konzertabend eine Begegnung, bei der es nicht nur um Noten und Komponisten geht, sondern um die Menschen dahinter.

Paul Gurti am Klavier
Foto: Privat
Musik die verbindet: Pianist Paul Gurti bei "Music makes friends" in der Kleinen Kirche in Karlsruhe.

Eine Bühne für die nächste Generation

Die Konzertreihe „Music Makes Friends“ ist in der Kleinen Kirche in Karlsruhe zu Hause. Der Auftakt fand am 28. Oktober 2026 statt. Am 2. Dezember geht es mit dem nächsten Konzert weiter. Der Eintritt ist frei, Spenden sind willkommen.

Dass Eren mit gerade einmal 15 Jahren ein solches Projekt initiiert, zeigt, dass man nicht erst jahrelange Berufserfahrung braucht, um die Kulturszene mit eigenen Ideen zu bereichern. Er kennt die Herausforderungen junger Musiker aus nächster Nähe und möchte genau dort ansetzen, wo er selbst Veränderung für notwendig hält.

Dabei geht es ihm nicht darum, klassische Musik neu zu erfinden. Vielmehr möchte er ihre Türen weiter öffnen – für junge Musiker, die sich begegnen sollen, und für ein Publikum, das vielleicht noch gar nicht weiß, wie viel ihm diese Musik geben kann.

„Music Makes Friends“ ist damit nicht nur eine Konzertreihe, sondern auch eine Einladung: zum Zuhören, zum Fragenstellen und vor allem dazu, Musik gemeinsam zu erleben.

Julia Meer, Holger Hermannsen / / 29.10.2026

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