Mozarts verschollenes Meisterwerk: Sensationsfund bringt sieben unbekannte Stücke ans Licht

Mozarts verschollenes Meisterwerk: Sensationsfund bringt sieben unbekannte Stücke ans Licht

Ein unscheinbares Notenbüchlein in einem Pariser Archiv wurde zum musikalischen Jahrhundertfund: Fast 250 Jahre verborgen, enthüllt das Manuskript sieben bislang nie gehörte Stücke von Wolfgang Amadeus Mozart – und wird jetzt erstmals überhaupt vor Publikum aufgeführt. Ein Fund, der beweist: Auch nach Jahrhunderten kann Mozart die Welt noch überraschen.

Wolfgang Amadeus MozartFoto: Barbara Kraft (Gemeinfrei)

Es war nur ein kleines, unscheinbares Büchlein. 44 Seiten, eingereiht zwischen anderen historischen Manuskripten in den Archiven der französischen Nationalbibliothek in Paris. Kein großer Titel, kein Hinweis auf seinen unschätzbar wertvollen Inhalt. Jahrzehntelang lag es dort – verborgen vor der Welt.

Dann kam der 2. Februar 2026. Der Musikwissenschaftler François-Pierre Goy arbeitete sich durch alte Bestände, überprüfte Dokumente, die neu katalogisiert werden sollten. Er schlug eine Seite auf. Dann die nächste. Mit jeder weiteren, wurde im klar, dass er einen musikhistorischen Schatz in seinen Händen hielt.

Vor ihm lagen Notenzeilen, Korrekturen, charakteristische Bögen und Zeichen – eine Handschrift, die er kannte. Die Art, wie die Noten gesetzt waren. Die geschwungenen Violinschlüssel. Die besonderen Abschlusszeichen. Alles deutete auf einen Namen hin, den jeder Musikliebhaber kennt: Wolfgang Amadeus Mozart.

Doch konnte es wirklich sein?

Die ersten Zweifel mussten ausgeschlossen werden. Experten wurden hinzugezogen, Vergleiche mit bekannten Originalhandschriften gemacht. Schließlich kam die Gewissheit: Das kleine Büchlein war tatsächlich ein originales Mozart-Manuskript: Ganze sieben kurze Stücke für Flöte und Harfe – Musik, die seit 250 Jahren nie wieder erklungen war.


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Der unbekannte Mozart-Moment

Das wiederentdeckte Manuskript stammt aus Mozarts Aufenthalt in Paris im Jahr 1778. Der damals 22-jährige Komponist hielt sich vom 23. März bis zum 26. September in der französischen Hauptstadt auf – eine Zeit, die für ihn stets auf einem schmalen Grat zwischen Hoffnung und Enttäuschung balancierte.

Der junge Mann war voller Enthusiasmus nach Paris gekommen, um beruflich Fuß zu fassen. Doch die Reise verlief anders als erhofft: Seine Mutter starb während des Aufenthalts, und der große Durchbruch blieb aus. Gerade deshalb ist der Fund so wertvoll: Er zeigt Mozart nicht nur als berühmten Komponisten, sondern als arbeitenden Musiker, Lehrer und kreativen Suchenden.

Die sieben neu entdeckten Stücke entstanden vermutlich im Zusammenhang mit seinem Unterricht für Marie-Louise-Philippine de Bonnières de Guînes, die Tochter des Herzogs von Guînes. Sie war eine talentierte Harfenistin und erhielt von Mozart Unterricht.

Zu Beginn war Mozart offenbar durchaus beeindruckt von seiner jungen Schülerin. Besonders ihr außergewöhnliches Gedächtnis für Musik soll ihn fasziniert haben: Sie konnte sich Stücke schnell merken und musikalische Zusammenhänge gut erfassen. Doch mit der Zeit wandelte sich sein Eindruck. In Briefen an seinen Vater Leopold äußerte sich Mozart zunehmend kritisch und beschrieb seine Schülerin als wenig fleißig und enttäuschend in ihrer Entwicklung als Komponistin.

Diese Veränderung lässt sich möglicherweise sogar im neu entdeckten Notenbuch nachvollziehen: Während die frühen Übungen noch anspruchsvoller und stärker auf Mozarts eigene musikalische Ideen ausgerichtet sind, werden die späteren Einträge zunehmend einfacher und stärker an die Fähigkeiten seiner Schülerin angepasst. Das Manuskript erzählt damit nicht nur die Geschichte einer musikalischen Zusammenarbeit – es zeigt auch den Moment, in dem Mozart seine Erwartungen anpassen musste.

Mozartstatue auf dem Mozartplatz in Salzburg
Foto: Anibal Trejo
Mozartstatue in Salzburg

Die Spur führt zurück zur Französischen Revolution

Doch wie konnte ein originales Mozart-Manuskript fast 250 Jahre verschwinden?

Die Antwort liegt vermutlich in den Wirren der Französischen Revolution. Das Heft gehörte ursprünglich zur Sammlung der Familie Guînes. Nachdem die Familie während der Revolution ins Ausland geflohen war, wurde ihr Besitz beschlagnahmt.

Historische Dokumente geben Hinweise darauf, dass Musikbestände der Familie 1794 eingezogen wurden. Wahrscheinlich gelangte das Büchlein auf diesem Weg in die Sammlung der französischen Nationalbibliothek – und blieb dort über Jahrhunderte unerkannt.

Bis zu jenem Tag im Februar 2026.

Erste Aufführung nach fast 250 Jahren

Nach der Entdeckung begann ein Wettlauf gegen die Zeit. Die Musiker der Philharmonie von Radio France erhielten die Noten erst kurz vor der Premiere.

Flötistin Mathilde Caldérini und Harfenist Nicolas Tulliez standen vor einer außergewöhnlichen Aufgabe: Sie sollten Musik zum Leben erwecken, die seit Mozarts eigener Zeit niemand mehr gehört hatte.

„So etwas erlebt man nur einmal“, erklären die Musiker im Interview.

Die historische Aufführung fand am 21. Juni 2026 im Rahmen der "Fête de la Musique" in der Salle Ovale der französischen Nationalbibliothek statt. Dort erklangen die sieben Stücke nun erstmals vor Publikum – fast zweieinhalb Jahrhunderte nachdem Mozart sie niedergeschrieben hatte.


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Holger Hermannsen / 21.06.2026

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