Wie wird man Mitglied an der Oscar Academy?

Ein Gespräch mit Filmeditorin Gesa JägerWie wird man Mitglied an der Oscar Academy?

Mitglied der Oscar Academy sein – für viele Filmschaffende ein Traum! Für Filmeditorin Gesa Jäger hat er sich erfüllt: sie gehört zu den neu berufenen Mitgliedern.

Oscar Foto: ©[Aerial Film Studio]/stock.adobe.com

Türöffner: ein Oscar oder Kollegen

Die Oscar Academy hat Anfang des Monats für großes Aufsehen gesorgt und 395 neue Filmschaffende als Mitglieder berufen. Filmeditorin Gesa Jäger ist eine der Auserwählten und hat uns erklärt, wie man genau Mitglied wird: "Also es gibt zwei Arten von Mitgliedern: diejenigen, die einen Oscar gewinnen oder nominiert werden, können automatisch Mitglied in der Academy sein. Und es gibt Leute, die gesponsert werden, das bedeutet, Leute die bereits schon in der Academy sind - in meinem Fall waren das meine sehr geschätzten Kolleg*innen Hansjörg Weißbrich und Patricia Rommel  - die schlagen einen vor und machen ein ausführliches Empfehlungsschreiben und dann entscheidet die Kommission, ob man aufgenommen wird oder nicht." 

Langer Atem nötig

Natürlich wird man vorher auch von der Academy gefragt, ob man denn Mitglied werden wolle. Dann muss man selbst noch ein paar Angaben zu sich machen und damit ist die "Bewerbungsphase" sozusagen beendet. Man braucht aber Geduld: es kann mehrere Monate dauern, bis man eine Entscheidung mitgeteilt bekommt.

Auch bei "Tiger Girl" war Gesa Jäger für den Schnitt verantwortlich

Aufgrund Ihrer Consent Einstellungen können Sie dieses YouTube Video nicht sehen.
Einstellungen Ändern

Überraschende Wendung eines gemütlichen Abends

Bei Gesa Jäger war das der Fall, als sie gerade mit ihrem Mann auf der Couch saß und einen Film gesehen hatte: "Als ich mein Telefon in die Hand genommen habe, hatte ich eine Nachricht von Hansjörg, der mich ja empfohlen hatte und geschrieben hat: "Yes, yes! Es hat geklappt!" Und dann hab ich in meine Emails geguckt und da war tatsächlich eine Mail von der Academy."

Und dann kam aus meinem Mund wirklich nur: "Oh.Mein.Gott" und mein Mann wusste überhaupt nicht was los ist und dann bin ich in die Küche gerannt und hab eine Flasche Champagner geholt, tatsächlich.

Unzählige Filme

Mit der Mitgliedschaft kommt jede Menge Arbeit auf die Filmeditorin zu: denn es gibt jede Menge Filme zu sichten. Dazu kommt, dass sie ja schon Mitglied der Deutschen Filmakademie und damit stimmberechtigt beim Deutschen Filmpreis ist. Allein dafür müssen 25 Spielfilme, 17 Dokumentarfilme und 7 Kinderfilme angesehen werden, um darüber abzustimmen. 

Das ist tatsächlich jede Menge Film. Das muss man auch wirklich mögen. Aber ich kann mir tatsächlich nichts  Schöneres vorstellen.

Austausch mit Kollegen

Dabei ist ihr der Austausch mit Kollegen sehr wichtig. Beim Deutschen Filmpreis gibt es dazu genug Möglichkeit: "Beim Schnitt gibt es zwei tolle Veranstaltungen: eine für den Spiel- und eine für den Dokumentarfilm. Das sind zwei lange Abende mit ziemlich vielen tollen Kolleginnen und Kollegen, wo wir wirklich ziemlich ausführlich über die einzelnen Filme diskutieren und besprechen, ob und warum sie nominierungswürdig sind. Und ich finde gerade diesen Austausch sehr wichtig. Und ich hoffe sehr darauf , dass die Academy das auch hat - vielleicht per Zoom - dass man auch diesen Austausch über die Arbeiten der jeweiligen Leute führen kann. Weil man so viel lernen kann dabei, beim Austausch mit den entsprechenden Kolleginnen und Kollegen."

Einer der großartigen Filme, bei denen Gesa Jäger mitgewirkt hat:

Aufgrund Ihrer Consent Einstellungen können Sie dieses YouTube Video nicht sehen.
Einstellungen Ändern

Mitgliedschaftsbeitrag fällt an

Zu dem zeitlichen Aufwand kommt noch ein Finanzieller: denn die Mitgliedschaft in der Academy und auch in der Deutschen Filmakademie kostet einen dreistelligen Beitrag pro Jahr. "Den kann man aber von der Steuer absetzen", sagt Gesa Jäger mit einem Augenzwinkern "und ich zahle ihn auch gerne, weil man einfach den exklusiven Zugang zu so vielen Filmen bekommt und - zumindest bei der Deutschen Filmakademie - auch zu vielen Veranstaltungen. Man bekommt also auch etwas für das Geld."

Ein Traum wird wahr

Mit der Mitgliedschaft geht für Gesa Jäger ein lang gehegter Traum in Erfüllung: "Ich kann mich gar nicht erinnern, wann ich damit angefangen habe, aber ich sehe seit so vielen Jahren die Oscar-Verleihung. Also die Academy ist ja so etwas wie der Inbegriff der Filmbranche. Ich fand das schon immer wahnsinnig aufregend. Es ist einfach ein Netzwerk der erfolgreichsten Filmschaffenden auf der ganzen Welt."

Ein Netzwerk von dem sie nun ein Teil ist. Wir sagen Herzlichen Glückwunsch!

Erhalten Sie Informationen aus erster HandBestellen Sie den Klassik Radio Newsletter

* Mit Ihrer Registrierung nehmen Sie die Datenschutzerklärung zur Kenntnis

Neueste Artikel

„Singspiel ist wie Karaoke, nur dass die Leute hier wirklich singen können!"
Bülent Ceylan bei seinem Operndebüt

Bülent Ceylan erobert die Oper:
„Singspiel ist wie Karaoke, nur dass die Leute hier wirklich singen können!"

So haben Sie Mozarts „Entführung aus dem Serail“ sicher noch nie gesehen: mit Comedian Bülent Ceylan in der Rolle als Herscher Bassa Selim und als Kommentator. Am Samstag feiert er sein Operndebüt an der Berliner Staatsoper Unter den Linden. Wir haben mit ihm darüber gesprochen, warum dieses Werk von Mozart für ihn besonders spannend ist, wie er altes und neues Opernpublikum überraschen will und was Bach und Beethoven mit Metal Rock gemeinsam haben.

München, Paris, New York: 13-jähriger Pianist erobert die Klassik-Welt
Emanuel de la Torre vor der Carnegie Hall

München, Paris, New York: 13-jähriger Pianist erobert die Klassik-Welt

Mit nur 13 Jahren hat Emanuel de la Torre Quiroz schon in der Carnegie Hall gespielt - und am Wochenende in Paris sogar doppelt gewonnen. Im Gespräch mit Klassik Radio-Redakteurin Farah Losch erzählt Emanuel von seiner Liebe zum Klavier, seinen Zielen und deutet an: irgendwie ist er trotzdem ein ganz normaler Teenager.

Mozarts verschollenes Meisterwerk: Sensationsfund bringt sieben unbekannte Stücke ans Licht
Wolfgang Amadeus Mozart

Mozarts verschollenes Meisterwerk: Sensationsfund bringt sieben unbekannte Stücke ans Licht

Ein unscheinbares Notenbüchlein in einem Pariser Archiv wurde zum musikalischen Jahrhundertfund: Fast 250 Jahre verborgen, enthüllt das Manuskript sieben bislang nie gehörte Stücke von Wolfgang Amadeus Mozart – und wird jetzt erstmals überhaupt vor Publikum aufgeführt. Ein Fund, der beweist: Auch nach Jahrhunderten kann Mozart die Welt noch überraschen.

Klassik Radio - Deutschland nationalKlassik Radio - Deutschland national