Gelber Vogel vor rosa Blüten
Ray Hennessy on Unsplash
Gelber Vogel vor rosa Blüten
Dawn Chorus

Die Vielfalt der Vogelstimmen auf unserer Welt

Bei der App Dawn Chorus dreht sich alles um Vogelgezwitscher. Das Projekt vereint Wissenschaft, Kunst und Gemeinschaft.

Natur macht glücklich

Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass uns Vogelgezwitscher und Naturklänge glücklich machen. „Es ist sicher richtig, dass Naturgeräusche sich positiv auf unser Wohlbefinden auswirken. Man kennt das auch von sich selbst, absolute und vollkommene Stille wirkt schnell irritierend und Naturgeräusche geben einem ein Gefühl der Geborgenheit“, bestätigt auch der Neurowissenschaftler Dr. Moritz Hertel im Gespräch mit Klassik Radio. Hertel ist Teil von „Dawn Chorus“ ein Projekt von dem neuen Naturkundemuseum BIOTOPIA in Bayern und dem Landesbund für Vogelschutz.

Das hängt zum einen damit zusammen, dass diese Geräusche wenig Konzentration erfordern, da sie mehr oder weniger vorhersehbar sind. Gleichzeitig sind wir Menschen über Jahrmillionen mit diesen Geräuschen groß geworden und das bietet ein Gefühl von Geborgenheit.
Dr. Moritz Hertel

Früh am Morgen

Besonders im Frühling werden wir häufig früh morgens von den lauten Unterhaltungen der Vögel geweckt. Von diesen Momenten kommt auch der Name der App, wie uns die Projektleiterin Dr. Lisa Gill erzählt hat: „Dawn Chorus ist das englische Wort für den morgendlichen Chor der Vögel, der zwischen der morgendlichen Dämmerung und dem Sonnenaufgang einsetzt.“ Das Ziel der App ist es, mit der Hilfe von Naturliebhaberinnen und Naturliebhabern auf der ganzen Welt so viele Vogelstimmen wie möglich zusammenzutragen, um sie miteinander zu vergleichen: „Wir möchten die Menschen weltweit dazu einladen, die Natur sinnlich wahrzunehmen, aber eben auch auf die Biodiversität-Krise aufmerksam machen.“

Vögel in der Musikwelt
Saint-Saëns: Le Carnaval des Animaux - "Der Kuckuck ist verstummt, und.." Nr.10 Das Vogelhaus
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Verknüpfung von Wissenschaft und Kunst

Durch den Vergleich der Stimmen und Orte soll die Vielfalt und die Veränderung des Vogelbestands gemessen werden, erklärt uns Gill: „Anhand von Tonaufnahmen von Vogelstimmen. Früh morgens singen viele Vogelarten gleichzeitig. Jede Vogelart singt ein bestimmtes Lied, daran kann man feststellen, welche Vogelarten sich in einem Gebiet aufhalten. Das Schöne an diesem Projekt ist, dass es eine Verknüpfung darstellt zwischen Wissenschaft, Kunst und Gemeinschaft. Es ist nicht die reine Datensammlung im Vordergrund, sondern auch das sinnliche Naturerleben und auch eine kreative Auseinandersetzung mit Natur und Klang.“

Welcher Vogel ist der musikalischste?

Die Idee zum Projekt kam den Entwicklerinnen und Entwickler in einer Zeit, in der die Welt still stand: „Das war der stille Frühling 2020. Die Corona-Pandemie stand noch am Anfang und es gab Reise- und Ausgangsbeschränkungen. Die menschlichen Aktivitäten kamen weltweit fast zum Erliegen und dadurch hörte es sich an vielen Orten so an, als wären die menschlichen Geräusche verstummt. Sie haben den Klängen der Natur wieder mehr Raum gelassen. Es war der perfekte Moment, um solch ein Projekt ins Leben zu rufen.“ Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer können mithilfe der App die Stimmen der Vögel aufnehmen und in die Datenbank hochladen. Mittlerweile wurden in die Datenbank von Dawn Chorus bereits über 21.000 Aufnahmen von Vogelstimmen eingespeist.

Bei dieser Fülle an bereits gesammelten Daten hat Klassik Radio natürlich vor allem eine Frage beschäftigt: Welcher Vogel ist der musikalischste? Die Antwort ist Dr. Lisa Gill nicht unbedingt leicht gefallen: „Viele würden bestimmt die Nachtigall anführen, weil sie ein großes Repertoire besitzt und oft stundenlang singt. Ich persönlich würde das Rotkehlchen sagen. Ich finde seinen Gesang sehr melodisch und klar und er klingt auch immer ein bisschen melancholisch. Musik liegt ja auch immer im Ohr des Betrachters. Auch eine Kohlmeise mit ihrem eintönigen Gerufe kann den richtigen Beat für bestimmte Stücke liefern.“

Noch mehr Naturklänge hören Sie jeden Morgen um 8:50 Uhr bei Thomas Ohrner auf Klassik Radio.

(28.06.2022/ A. Kohler)