Der Wiener Beschwerdechor besingt Ärgernisse

Melodischer Ärger:Der Wiener Beschwerdechor besingt Ärgernisse

Verlorene Socken in der Waschmaschine oder Stau können schon mal nerven. Die Lösung? Musikalische Beschwerden aus Wien.

Menschen mit Liedblättern und Plakat singend vor dem Rathaus Foto: Georges_schneider/Ohb/Wiener Beschwerdechor

Sich die Wut von der Seele singen

Haben Sie laute Nachbarn? Hätten Sie gerne mehr Radwege? Schimpfen Sie auch jeden Morgen über den immer länger werdenden Stau? Es gibt so viele Dinge, über die man sich aufregen kann. Das findet auch der Beschwerdechor Wien und macht seinem Namen so alle Ehre. Ziel ist es hier, sich die Wut von der Seele zu singen und auf aktuelle Herausforderungen unserer Gesellschaft aufmerksam zu machen. „Als Wiener Bürgerinnen und Bürger beschweren wir uns über alles, was uns über die Leber rennt. Im größeren Sinne beschweren wir uns auch über Politik und die Netzwerke, die offen gelegt werden.“ Oliver Hangl, künstlerische Leitung des Wiener Beschwerdechores. Für ihn ist Wien als Welthauptstadt des Grants der perfekte Standort für seine musikalischen Beschwerden. Dass dabei alle Chormitglieder aktiv miteingebunden werden, steht für ihn außer Frage.

Partizipation wird großgeschrieben

Wir haben eine interne Facebook-Gruppe, in der sehr viel diskutiert wird und auch Texte von den Chormitgliedern miteingebracht werden. Viele Texte stammen aus meiner Feder mit dem Input aus dem Chor. Die werden dann in der Probe diskutiert und abgeändert. Wir sind ja nicht immer einer Meinung. Das wäre sonst auch langweilig. Es gibt immer Auseinandersetzungen und das ist auch gut so.“ 2010 schloss sich Stefan Foidl dem Beschwerdechor als musikaliischer Leiter an. „Ich habe Chorleitung studiert und habe mir schon immer gedacht, dass die Thematik, die dort behandelt wird, für die Gesellschaft heute nur über Umwege relevant ist. Mich faszinieren Chorprojekte, die Themen behandeln, die die Gesellschaft heute bewegen.

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Vom Halbjahresprojekt zur Instanz

Für Foidl steht das Chor-Projekt ganz unter diesem Motto, da das immer schlechter werdende Verhältnis zur Politik auch die Intensität der Beschwerden verändert. Dass der Beschwerdechor so erfolgreich werden sollte, war vorab nicht abzusehen. „Am Anfang war das für ein halbes Jahr geplant und hat dann eine Eigendynamik entwickelt. Erstens sind immer alle Sängerinnen und Sänger jede Woche in die Probe gekommen. Zweitens haben wir gesehen, dass wir mit diesem Projekt ganz viele Dinge umsetzen können und neue Ideen einbringen können, wie man einen Chor denken kann oder auch seine Stimme in aktionistischer Form erheben kann.“, erklärt Gründer Oliver Hangl.

Es darf gelacht werden!

In diesem Bürgerchor kann man selbstverständlich mehr ausprobieren, als in einem klassischen Chorformat. „Das ist einerseits musikalisch in verschiedene Stile zu gehen, aber auch inhaltlich und aktionistisch neue Aufführungsmodule auszuprobieren. Das ist immer schon sehr böse und auf den Punkt gebracht, aber nicht gemein. Wir sind auch entertaining auf der Bühne.“ Gelacht werden darf also auch in der Welthauptstadt des Grants. Die Verbindung aus Musik, Entertainment und Aktionismus ist vielversprechend und überzeugt das Publikum auf ganzer Linie.

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