Die Wahre Geschichte der Woche: Englischer Garten

Ausgewählt von Larissa BothorDie Wahre Geschichte der Woche: Englischer Garten

Jede Woche wählt ein Mitglied aus der Redaktion eine persönliche Wahre Geschichte der Woche aus und verleiht ihr eine besondere Note.

Die Wahre Geschichte der Woche: Englischer GartenFoto: Klassik Radio

Diese Woche kommentiert Larissa Bothor:

Es ist Sommer, ich schnappe mir mein Fahrrad und dann geht es los. Nach nur 3 Minuten grauem Asphalt ist es nur noch grün! Um mich herum, Bäume, Sträucher und das Ufer der Isar. Nach weiteren 10 Minuten, die ich am Wasser entlangfahre, rauschen über mir die Autos auf der Leinthalerbrücke hinweg, wenige Meter weiter kreuzt der Föhringer Ring über mir meinen Weg und dann bin ich mittendrin: Im Englischen Garten!   

Täglicher Weg im Sommer

Bei gutem Wetter bin ich jeden Tag vom Haus meiner Eltern mit dem Fahrrad in die Schule. Knapp 12 km und (je nach Verfassung) dauerte es zwischen 45 Minuten und einer Stunde. Manchmal fuhr ich allein, meistens aber mit Schulfreunden. Der Weg führte uns durch den wunderschönen Englischen Garten, immer an der Isar entlang, denn auch das Schulgebäude stand direkt am Fluss. Nach der Schule erlaubten wir uns den ein oder anderen Schlenker; mal am Chinesischen Turm vorbei oder dem Monopterus…kurz noch ein Eis an der Münchner Freiheit oder einfach kreuz und quer, wie es uns gefiel. 

Ein lebendiger Ort

Den Englischen Garten, nördlich der Innenstadt kenne ich gut und noch heute denke ich gerne an diese Zeit zurück. Wie schön es war, diese Natur um sich herum zu haben. Andere Fahrradfahrer, die auch auf dem Weg in die Arbeit oder die Schule waren, Menschen mit Hunden, kleine Kinder auf dem Weg in den Kindergarten, Eichhörnchen, oder Hasen, die den Weg kreuzten. Sowohl der erste Tag, an dem ich dann endlich mit dem Fahrrad fahren durfte, als auch der Letzte, als dann der Herbst immer kälter wurde und wir wieder auf die öffentlichen Verkehrsmittel umsteigen mussten, blieben in Erinnerung. 

Der Englische Garten ist etwas Besonderes. Er trägt meiner Meinung nach maßgeblich dazu bei, dass München dieses besondere Flair hat. Die Münchner sind stolz auf ihren Garten, aber ich behaupte, dass die meisten nicht wissen, wem sie dieses schöne Fleckchen überhaupt zu verdanken haben. Mir war es bekannt, aber durch unsere „Wahre Geschichte“ konnte ich noch einiges mehr erfahren.

Der eigentliche Zweck des Gartens

Thompson veranlasste, dass jede Armeeeinheit in ihren Städten Gärten anlegen sollte, um dort sowohl Gärten für Gemüse anzulegen, aber auch landwirtschaftliches Arbeiten zu erlernen. Nicht zu unterschlagen: er wollte aber auch einen Raum für Erholung für die Soldaten schaffen und gleichzeitig die Gärten der Allgemeinheit zugänglich machen. 1789 wurde das Gebiet zum ersten europäischen Volkspark. Der Name „Englischer“ Garten fußt auf der Art und Weise, wie der Park angelegt ist, nämlich in Anlehnung an der damals herrschenden Strömung der Gartenbaukunst in England.

Der englische Garten heute

4,17 Quadratkilometer groß ist die Fläche des Parks. Er ist damit größer als der Central Park in New York oder der Hyde Park in London. Natürlich ist die Grünfläche mit ihren wundervollen Bauten wie dem Chinesischen Turm oder dem Hofgarten, ein echter Touristenmagnet, aber auch die Einheimischen wissen den Ort zu schätzen und selbst ein eingefleischter Münchner bleibt bei der Surferwelle im Eisbach stehen und freut sich, wenn Männer und Frauen dort ihr Kunststücke machen. Die Eisbachwelle gilt übrigens als weltweit konstanteste, größte und beste Flusswelle mitten in einer Großstadt. Natürlich sind die vielen Liegewiesen und Biergärten für alle im Sommer ein MUSS und selbst im Winter locken die zahlreichen Langlauf-Loipen Wintersportler in den Park und auch der Christkindlmarkt am Chinesischen Turm ist im Winter ein einmalig schöner Ort.

Und auch ich versuche jedes Mal den Englischen Garten mit einzubeziehen, wenn ich München einen Besuch abstatte. Ein wirklich besonderer Ort….

Liebe Grüße

Ihre Larissa Bothor 

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