„Ein langes Geständnis meiner Liebe zum Leben“: Yu-Peng Chen über sein erstes Klassikalbum

„Ein langes Geständnis meiner Liebe zum Leben“: Yu-Peng Chen über sein erstes Klassikalbum

Vom Komponisten eines Videospiels zum eigenen Klavierkonzert: Yu-Peng Chen hat mit „Genshin Impact“ Millionen erreicht. Jetzt erzählt er auf „The Poem of Life“ seine eigene Geschichte – mit Bach als Lehrer, Rachmaninoff als Vorbild und der Angst, Erinnerungen zu verlieren.

Yu-Peng Chen (2)Foto: MOIN墨音

Was haben Johann Sebastian Bach, Sergej Rachmaninoff und ein chinesischer Komponist gemeinsam, dessen Musik Millionen Menschen beim Spielen eines Videospiels hören?

Yu-Peng Chen.

Der 1986 geborene Musiker hat mit seiner Arbeit für das weltweit erfolgreiche Fantasy-Rollenspiel Genshin Impact ein Millionenpublikum erreicht. Seine Musik ist dabei alles andere als gewöhnliche Videospielbegleitung: Große Orchester, virtuose Klavierpassagen und traditionelle chinesische Instrumente gehören ebenso zu seinem Repertoire wie die Auseinandersetzung mit europäischen Komponisten.

Nun erscheint mit „The Poem of Life“ sein erstes Klassikalbum. Darin erzählt Chen erstmals keine fremde Geschichte, sondern seine eigene. Er verbindet chinesische Musiktraditionen mit westlicher Klassik und widmet sich den Erinnerungen, die sein Leben geprägt haben. Ein besonderes Stück ist das zehnminütige Klavierkonzert „Love in First Bloom“, eine Hommage an Rachmaninoff. Und auch Johann Sebastian Bach spielt für Chen eine zentrale Rolle.

Dass das Album einen so persönlichen Charakter hat, verrät bereits sein ursprünglicher Titel. In China heißt es „Geständnis meiner Liebe“ – eine Liebeserklärung an das Leben, aber auch eine Auseinandersetzung mit der Angst, Erinnerungen zu verlieren. Im Interview mit Klassik Radio-Moderatorin Evita Helling erzählt Yu-Peng Chen, was ihn musikalisch antreibt und darüber, warum er sich auf seinem ersten eigenen Klassikalbum einen langgehegten Traum erfüllen konnte.

Komponist Yu-Peng Chen
Foto: MOIN墨音
Vom Videospiel-Soundtrack zum Klassik-Album: Yu-Peng Chen

Klassik Radio: Ihr neues Album „The Poem of Life“ ist gerade erschienen. Was war die wichtigste Inspiration für die Musik?

Yu-Peng Chen: Meine Inspiration kommt aus meinen Erinnerungen. „The Poem of Life“ ist meine Geschichte. Und ich hoffe, dass das Album auch ein Gefäß für die Erinnerungen der Hörer sein kann – dass sie an ihre eigenen Erinnerungen denken.


Klassik Radio: Sie komponieren viel Musik für Videospiele. Was ist anders, wenn man ein eigenes Album komponiert?

Yu-Peng Chen: In meinem Album erzähle ich eine Geschichte. Meine Geschichte. Wenn ich Musik für Videospiele schreibe, habe ich bereits eine Geschichte vor mir. Das ist sehr anders. Meine Musik erzählt auf jeden Fall immer eine Geschichte.


Klassik Radio: Gibt es einen klassischen Komponisten, der Sie besonders inspiriert hat?

Yu-Peng Chen: Bach! Er ist mein Lehrer. Er leitet mich durch die Welt der Klassik. Seine musikalische Sprache ist sehr rein – ich durfte schon viel von ihm lernen.


Klassik Radio: Wie ist der Titel des Albums entstanden?

Yu-Peng Chen: Der Titel „The Poem of Life“ kommt aus meinem Leben. Aber es ist kein „Poem“, kein Gedicht – es ist eine Erinnerung. Interessant ist, dass ich es in China anders genannt habe. Dort heißt es „Geständnis meiner Liebe“. International ist es ein Gedicht, in China ein Geständnis.


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Klassik Radio: Und was bedeutet „Geständnis“ in diesem Zusammenhang?

Yu-Peng Chen: Es ist ein langes Geständnis meiner Liebe zum Leben. Ich bin jetzt 40 Jahre alt und davor hatte ich Angst. Aber es ist auch so viel Neues! Diese Zahl bringt die Angst mit sich, etwas zu verlieren – meine Erinnerungen. Und das musste ich ausdrücken.


Klassik Radio: Auf „The Poem of Life“ verbinden Sie verschiedene musikalische Traditionen. Wie kam es dazu?

Yu-Peng Chen: Ja! Ich habe versucht, alles zu verbinden. Ich wollte meine Kultur, die chinesische Kultur, ausdrücken und sie mit westlicher Musik verbinden. Das ist das Ergebnis.


Klassik Radio: Sie haben schon etwas Ähnliches für Ihre Musik zu „Genshin Impact“ gemacht. Dort werden verschiedene Länder musikalisch dargestellt. Wie sind Sie dabei vorgegangen?

Yu-Peng Chen: Ich habe mir viele Instrumente der jeweiligen Kultur angeschaut. Wie hören die sich an? Stundenlang habe ich im Internet gehört, wie traditionelle Musik in Japan oder in Deutschland klingt – und dann habe ich angefangen zu komponieren.


Klassik Radio: Welches Stück hat Ihnen beim Komponieren am meisten Spaß gemacht?

Yu-Peng Chen: Mein liebstes Stück ist „Love in First Bloom“. Es ist ein Klavierkonzert! Ein Tribut an Rachmaninoff. Ich wollte schon immer mal so etwas machen. Spielmusik ist kurz, aber in meinem Album kann ich machen, was ich möchte. Und dieses Stück ist zehn Minuten lang!


Klassik Radio: Auf welche Musik dürfen wir uns in Zukunft freuen?

Yu-Peng Chen: Ich liebe es, neue Sachen auszuprobieren. Als Nächstes vielleicht elektronische Elemente oder Ambient Music? Ich weiß es noch nicht! Aber die klassischen Elemente werden immer die Basis sein.


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Evita Helling, Holger Hermannsen / / 01.10.2026

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