"Es wird spannend Tradition mit Neuem zu verbinden"

Im Gespräch mit Nora Schmid "Es wird spannend Tradition mit Neuem zu verbinden"

Ab 2024 wird Nora Schmid die neue Intendantin der Dresdner Semperoper. Klassik Radio im Gespräch über das vergangene Jahr und die Zukunft.

"Es wird spannend Tradition mit Neuem zu verbinden"Foto: Werner Kmetitsch

Ein Lachendes und ein weinendes Auge

Die letzten Wochen waren sehr aufregend für Nora Schmid. Sie wird ab 2024 die neue Intendantin der Semperoper in Dresden. „Eine neue Wirkungsstätte ist immer mit Aufregung verbunden. Mit viel Vorfreude, Respekt und in meinem Fall auch mit vielen Erinnerungen“, erzählt Schmid im Gespräch mit Klassik Radio. Zur Zeit arbeitet sie als Intendantin an der Oper Graz: „In Graz gab es viele Reaktionen (...) Ein lachendes Auge für das Belohnen meines Erfolgs und ein weinendes Auge, weil es in zwei Jahren dann Abschied nehmen heißt.“ Auch wenn viele den Verlust von Nora Schmid als Intendantin in Garz bedauern, haben sich die meisten für ihren Erfolg gefreut.

Der neue Spielplan in Graz

Ihr offizieller Start in der Semperoper Dresden wird erst im Jahr 2024 sein und bis dahin ist Schmid noch mit vollem Elan Intendantin in Graz. So wurde nun das neue Programm für die Spielzeit 2021/2022 präsentiert. „Nach der langen Zeit, in der die Musen schweigen mussten, blicke ich optimistisch nach vorne und freue mich auf eine Zeit, in der all das Ungesagte und Ungehörte wieder zum Ausdruck kommen kann (…)“, sagt die Intendantin in der dazugehörigen Pressemitteilung. Die Spielzeit startet mit Guiseppe Verdis „Die Macht des Schicksals“. Außerdem wird es eine Koproduktion mit jungen Künstlern der Kunstuniversität Graz geben. Neben zahlreichen Premieren werden außerdem im Musicalbereich zwei Wiederaufnahmen der letzten Spielzeiten dabei sein. Auch auf mehrere Konzerte und Ballettaufführungen können sich die Besucher in Graz freuen.  

Das herausforderndste Jahr

Ihr Können stellte Schmid besonders in den vergangenen Monaten unter Beweis: „Das letzte Jahr war das Herausforderndste und Anstrengendste was ich bisher erlebt hab. Musiktheater und Oper ist ein Gemeinschaftswerk, das nur im Miteinander geht und so konnten und mussten wir uns immer wieder Neues ausdenken.“ Auch wenn ihre Anstellung in Dresden erst in zwei Jahren beginnt, ist sie gedanklich auch schon dort in der Planung: „Meine Aufgabe als Opernintendantin ist immer im Heute, im Morgen und Übermorgen zu planen. Also ich muss mich immer mit der Zukunft auseinander setzten auch wenn es jetzt eben in einem anderen Opernhaus ist und das lässt sich auch ganz gut vereinbaren.“

Die Semperoper ist einfach identitätsstiften für diese Stadt. Ich möchte aber, dass sie mit der ganzen Tradition auch eine gewisse Leichtigkeit und Frische hat (...) In diesem Haus steckt mit allen Mitarbeitern unglaublich viel Potential und ich freue mich darauf, dieses zu entfalten.
Nora Schmid

Keine Fremde in der Semperoper

Für Schmid ist die Semperoper ein vertrauter Ort. Bereits 2010 und in den Folgejahren war sie dort als Dramaturgin und Mitglied des Direktoriums tätig. Die genauen Pläne für Dresden wird sie erst 2024 bekannt geben, aber geplant ist schon einiges: „Wir möchten verschiedene Publikumsschichten erreichen und beim Blick in die Publikumsräume fehlt mir ein wenig die mittlere Generation und das wäre das große Ziel, ihnen die Musik wieder näher zu bringen.“

Neue Herausforderungen

Trotz der neuen Herausforderungen bleibt Nora Schmid ruhig: „Ich empfinde keinen Erwartungsdruck. Ich werde Schritt für Schritt die Gespräche suchen (...) Im Haus kommt mir auch eine sehr große Offenheit entgegen. Ich sehe das als schöne neue Herausforderung, die ich gerne anpacke.“ Besonders auf die Stadt selbst freut sich die Intendantin sehr. Sie erlebt die Stadt immer als besonders schön und lebenswert und sagt auch, dass sie stets neue Inspiration aus der Stadt selbst ziehen kann, auch von der altehrwürdigen Semperoper.

Man darf sich von der Tradition nicht erdrücken lassen. Ich bin überzeugt, wenn man sich auf die Schultern dieses Traditions-Riesen schwingt, auch wenn man selbst nur ein Zwerg ist, dann hat man von dort oben einen sehr guten Blick auf die Zukunft.
Nora Schmid

Ein Vorbild

Nora Schmid würde schon oft auf Ihrer Laufbahn mit ihrem Alter konfrontiert „In all meinen bisherigen Stationen war immer Thema ‚Ist sie nicht ein wenig jung dafür?‘ Ich glaube aber, ich habe mittlerweile viele und reichhaltige Erfahrungen sammeln können, auf denen man Aufbauen kann.“ Trotzdem nimmt die Anfang 40-jährige die Herausforderungen und Verantwortung gerne an. Dass sie dabei selbst oft als Vorbild angesehen wird, gibt ihr Mut und macht ihr große Freude: „Ich bekomme oft Zuschriften, in denen mir gesagt wird, ich wäre ein Vorbild. Ich sehe das auch als meine Aufgabe, denn ich hatte auf meinem Weg auch immer Mentoren, die an mich geglaubt haben.“

Mit Nora Schmid kommt ein neuer und frischer Wind in die Semperoper und die junge Frau geht gerne und hochmotiviert alle Schwierigkeiten der Zukunft und der Veränderung an.

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