Handpan-Musiker Malte Marten erreicht mit dem weichen Klang der Handpan ein Millionenpublikum. Für Klassik Radio Plus hat er nun den neuen Sender „Peaceful Handpan“ kuratiert. Im Interview spricht er darüber, was ihn an der Handpan fasziniert, warum für ihn Gefühl wichtiger ist als technische Perfektion und weshalb die besondere Wirkung des Instruments für ihn im Klang selbst liegt.

Fünf Minuten – länger braucht Malte Marten nach eigener Aussage nicht, um einem Anfänger die ersten Schritte auf einer Handpan beizubringen. Dass dabei schon erstaunlich schnell etwas Harmonisches entstehen kann, gehört für ihn zu den größten Besonderheiten des Instruments. Denn die Töne einer Handpan sind so aufeinander abgestimmt, dass es deutlich weniger Möglichkeiten gibt, etwas zu spielen, das für unsere Ohren unharmonisch klingt. Vielleicht ist das auch ein Grund, warum die Handpan nicht nur beim Spielen einen vergleichsweise leichten Zugang bietet. Ihr weicher, obertonreicher Klang hat in den vergangenen Jahren ein großes Publikum gefunden und Malte Marten gehört zu jenen Musikern, die diese Entwicklung entscheidend geprägt haben. Seit Jahren veröffentlicht er Handpan-Sessions im Netz, gibt Workshops und Konzerte und hat rund um seine Musik ein eigenes Unternehmen aufgebaut. Jetzt kommt ein weiteres Projekt hinzu: Für Klassik Radio Plus hat er den neuen Sender „Peaceful Handpan“ kuratiert.
Wer eine Handpan zum ersten Mal hört, dürfte vor allem ihren weichen und gleichzeitig sehr vollen Klang wahrnehmen. Marten selbst beschreibt ihn im Interview mit Klassik Radio Redakteurin Valeska Baader als eine Art „Stahlharfe“: „Dadurch, dass der Klang nicht hart einnehmend, sondern sehr weich ummantelt ist, kann man sich in ihm einfach gut entspannen“, beschreibt Marten seine Wahrnehmung. Der Begriff der Frequenzen spielt in der Handpan-Musik eine wichtige Rolle. Auch Marten veröffentlicht Musik unter Albentiteln wie „Healing Frequencies“. Von der Vorstellung aber, die besondere Wirkung seiner Musik entstehe allein durch solche Frequenzangaben, grenzt er sich im Interview allerdings ab. Seine Handpans spielt er üblicherweise in 440 Hertz; vor allem aus einem praktischen Grund: So lassen sie sich problemlos mit Klavier und vielen anderen heute gebräuchlichen Instrumenten kombinieren. Frequenzen wie 1111 Hertz werden bei entsprechenden Produktionen erst nachträglich ergänzt. In der Meditations- und Wellnessszene werden solchen Frequenzen verschiedene positive, heilende Wirkungen zugeschrieben. Aber, „die Magie der Handpan entsteht nicht durcheine spezielle Frequenz, sondern durch den Klang der Handpan an sich. Das ist das Entscheidende“, so Marten. Und diese Magie könne in schwierigen Momenten wie ein „akustischer Verband für das Herz“ wirken. Aus den Reaktionen seines Publikums weiß er, dass viele genau das in seinen Stücken suchen: „Komfort, also dieses Gefühl, verstanden zu werden und gehalten zu sein.“ Für andere steht dagegen ganz einfach die Entspannung im Vordergrund.
Dass Marten heute zu den weltweit bekanntesten Musikern seines Instruments gehört, erklärt er selbst nicht mit einem plötzlichen Durchbruch. Entscheidend sei vor allem Konsequenz gewesen. Seit vier Jahren veröffentlicht er mindestens ein YouTube-Video pro Woche: „Ich wollte zur ersten Adresse im Internet werden, wenn man Handpan googelt.“ Seine Strategie geht auf: Heute werden seine Videos millionenfach angeschaut, nicht zuletzt deshalb, weil die Musik gleichzeitig zugänglich genug ist, um viele Menschen zu erreichen, und emotional genug, damit sie wiederkommen. Marten beschreibt seinen Stil als „Easy Listening“, der Gefühle nicht eindeutig vorgibt. Seine Musik soll nicht bestimmen, ob jemand gerade melancholisch oder glücklich zu sein hat.
Dass Marten das Instrument nicht nur spielt, sondern auch vermittelt, gehört schon lange zu seiner Arbeit. Seine Workshops richten sich sowohl an Menschen, die noch nie eine Handpan in der Hand hatten, als auch an Fortgeschrittene. Dabei geht es ihm nicht darum, den Teilnehmenden möglichst schnell das technisch perfekte Handpan-Spiel beizubringen. Im Interview formuliert er seinen Maßstab deutlich: „Es gibt für mich keine guten Spieler. Es gibt für mich Spieler, die mit Herz spielen, und es gibt Spieler, die ohne Herz spielen.“ Technische Expertise sei für ihn zweitrangig. Entscheidend seien Präsenz, Gefühl und ein eigener Ausdruck. Gerade Anfänger sollen deshalb nicht mit dem Eindruck starten, Fehler vermeiden zu müssen. Bei Workshops begegnet Marten ganz unterschiedlichen Schwierigkeiten: von der Koordination beider Hände bis zur Unsicherheit, gemeinsam mit anderen in einem Raum Musik zu machen. Seine Aufgabe sieht er darin, den Teilnehmern zu zeigen, dass solche Herausforderungen dazugehören.
Was mit den ersten Musikvideos auf Youtube begann, ist heute ein ganzes Unternehmen geworden: Neben seiner Tätigkeit als Musiker und Workshopdozent entstanden Onlinekurse, später eine eigene Lernplattform und sogar der Handpan-Shop Yatao. Ein rund 20-köpfiges Team arbeitet mittlerweile für Marten, um seine Vision, der Verbreitung dieses einzigartigen und faszinierenden Instruments, Wirklichkeit werden zu lassen. Mehr als 10.000 Online-Schüler, über 250 Millionen Videostreams sowie Workshops und ausverkaufte Konzerte auf der ganzen Welt bestätigen seinen Erfolg.
Wer Marten bislang nur aus Social Media kennt, erlebt ihn auf der Bühne noch einmal anders. Ein Handpan-Konzert besteht bei ihm nicht daraus, anderthalb Stunden dieselbe ruhige Musik aufzuführen. Gemeinsam mit zwei weiteren Musikern erweitert er die Handpan um Percussion, Gitarren, Bass und Stimme. Ruhige Passagen wechseln sich mit deutlich dynamischeren und rhythmischeren Momenten ab. Für Ende 2026 sind unter anderem noch Auftritte in München, Köln, Basel, Zürich, Genf, Locarno und Amsterdam angekündigt. „Das, was ich auf Social Media zeige, sind vielleicht sieben Prozent von dem, was wir bei den Konzerten den Menschen bieten“, sagt Marten. Ein klassisches Instrumentalkonzert sei das ebenso wenig wie ein Popkonzert. Gerade diese Zwischenposition findet er interessant; auch weil bei seinen Konzerten Menschen zusammenkommen, die sich seiner Beobachtung nach keiner eindeutigen musikalischen „Bubble“ zuordnen lassen.
Im neuen Klassik Radio Plus Sender „Peaceful Handpan“ geht Marten nun wieder einen Schritt zurück zum reinen Hören. Dabei möchte er sich nicht festlegen, was die Musik mit den Hörern machen muss. Die Vorstellung, man müsse für Handpan-Musik zwangsläufig meditieren, Yoga machen oder vollkommen zur Ruhe kommen, ist ihm zu eng. Er nennt stattdessen bewusst gewöhnliche Alltagssituationen: kochen, arbeiten, Zeit mit den Kindern verbringen, Hausaufgaben machen oder zwischen zwei Terminen kurz herunterkommen. Die Handpan kann dabei im Hintergrund bleiben oder für ein paar Minuten die volle Aufmerksamkeit bekommen. Genau dafür hat Malte Marten „Peaceful Handpan“ zusammengestellt: als kuratierte Auswahl von Handpan-Musik, die nicht nur seine eigenen Stücke zeigt, sondern die Bandbreite einer Szene, die er seit Jahren kennt und mitprägt.
Hören Sie jetzt "Peaceful Handpan" und tauchen Sie ein in die faszinierende Welt dieses faszinierenden Instruments. Warme sanft fließende Klänge geben Raum für Entspannung, Achtsamkeit und neue Kraft. Magische Momente zum Innehalten, Loslassen und Durchatmen - exklusiv kuratiert von Malte Marten.
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