„Ohne Musik gibt es keine Hoffnung, keine Zukunft"

Wenn Ihr wüsstet: Die Autobiografie„Ohne Musik gibt es keine Hoffnung, keine Zukunft"

Jahre voller Höhen und Tiefen liegen hinter David Garrett. Im Gespräch mit Klassik Radio erzählt er von seiner Karriere und Autobiografie.

„Ohne Musik gibt es keine Hoffnung, keine Zukunft"Foto: Universal Music

Sein Leben in Schriftform

Sein ganzes Leben auf überschaubaren 368 Seiten oder zumindest die wichtigen Dinge. Dinge, die aus David Garrett das gemacht haben, was er heute ist. „Für alles hätten die Seiten nicht gereicht. Ich habe mich auf all das fokussiert, was mich auch ein stückweit als Mensch geprägt hat. Da gehört natürlich auch das ein oder andere Private dazu. Man lernt ja nicht nur aus beruflichen Dingen“, erzählt der Musiker im Gespräch mit Klassik Radio.

Wer er war, was er gerne gewesen wäre und wer er heute ist: Über all das schreibt Garrett gemeinsam mit seinem Co-Autor Leo G. Linder in der Autobiografie „Wenn ihr wüsstet“: „Die Grundthematik ist alles hinter den Kulissen: Mein Leben. Die Höhen und Tiefen, die man in einem so ambitionierten Leben hat. Musik steht natürlich immer im Vordergrund, aber auch viel Privates. Erlebnisse, die mich geprägt und bewegt haben.“

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Ein Rückblick voller Stolz

Auf die Frage, ob das Niederschreiben seiner Erlebnisse für ihn auch eine Art therapeutischen Wert gehabt hat, muss David Garrett schmunzeln und meint: „Therapie habe ich schon lange hinter mir. [Das Buch] war also keine Aufarbeitung, sondern ein Zurückschauen, was man in den letzten Jahren geschafft hat. Es war für mich eine tolle Möglichkeit zu reflektieren, […] was in dieser Zeit alles passiert ist.“ Als er am Ende das Werk in den Händen hielt, fühlte er vor allem Stolz, nicht nur für das Buch selbst, sondern für all das was er in den letzten Jahren geschafft hatte.

Es war nicht therapeutisch, aber es hat mich stolz gemacht, zu sehen, was alles geschafft worden ist.

Wunderkind wird dem nicht gerecht

Auf den ersten Blick führte der junge David das Leben eines Wunderkinds. Mit fünf belegt er Platz eins bei dem Wettbewerb „Jugend musiziert“, und als er zehn ist, beherrscht er den ersten Satz des Tschaikowski-Violinkonzert, welches im 19. Jahrhundert als unspielbar galt. Garrett selbst hält allerdings nicht viel vom Begriff "Wunderkind". Es ist eine reine Marketingstrategie für Menschen mit Talent, die aber trotzdem viel Arbeit in ihre Karriere stecken müssen: „Ich habe mich nie als Wunderkind gefühlt, weil ich genau weiß, was eigentlich dahinter steckt: wie viel Arbeit, wie viel Tränen und wie viel Schweiß. […] Ich habe immer das Gefühl gehabt, Wunderkind wird nicht dem gerechnet, was man eigentlich leistet.“

Eine Kindheit voller Perfektion

Schweiß und sehr viel Disziplin stecken in Garretts Kindheit. Es war eine Kindheit, in der er sich rückblickend als „geigenbesessen“ beschreiben würde. Vielleicht auch gerade deshalb, weil für ihn Geige spielen, das Üben und die ständig geforderte Perfektion eine Art Qual war: „Ich habe teilweise die Leidenschaft an der Geige verloren, aber niemals an der Musik. Über die Musik habe ich dann immer wieder zur Geige zurückgefunden. Mir war schon klar, dass Musik mein Leben ist, aber dass es die Geige ist, wusste ich nicht immer.“

Geiger David Garrett in lässiger Pose
Foto: Christoph Köstlin

Warum gerade jetzt?

Dass er sich dazu entschlossen hat, seinen To-Do-Punkt "Ein Buch schreiben" in Angriff zu nehmen, lag vor allem an der plötzlich vorhandenen Zeit. Normalerweise ist der 41-Jährige immer beschäftigt und unterwegs. Während den beiden Jahren des Stillstands entschied er, seinen Weg auch für seine Fans erlebbar zu machen. Im Mittelpunkt steht, wie auch in seinem Leben, Musik: „Ohne Musik gibt es keine Hoffnung, keine Zukunft und keine Vergangenheit. Für mich ist Musik alles. Alles in meinem Leben ist an die Musik gekoppelt: meine Erinnerungen, meine Emotionen, mein visuelles Empfinden. Ohne Musik wäre für mich die Welt ein nicht so schöner Ort.“ 

Dieser Lebensinhalt wird David Garrett auch weiter antreiben und vielleicht schreibt er irgendwann das Neuerlebte wieder auf: „Warum nicht, man kann nicht vorhersehen, was in den nächsten Jahren alles passiert. Wenn etwas Spannendes passiert, halte ich euch auf dem Laufenden.“

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