Russische Künstler äußern sich zum Krieg

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Der Angriff Russlands auf die Ukraine hat auch am Wochenende die Kulturwelt aufgewühlt. Inzwischen hat sich auch Anna Netrebko geäußert.

Russische Künstler äußern sich zum KriegFoto: Max Kukurudziak on Unsplash

Sie hat auf Instagram geschrieben: "Ich bin eine Russin und liebe mein Land, aber ich habe viele Freunde in der Ukraine, und der Schmerz und das Leid brechen mir das Herz. Ich möchte, dass dieser Krieg aufhört und die Menschen in Frieden leben können."

Netrebko wurde schon oft für ihre Putin-Nähe kritisiert – im letzten Jahr hatte sie ihren 50. Geburtstag mit einer großen Gala im Kremlpalast gefeiert. Dabei wurden auch Glückwünsche des russischen Präsidenten Wladimir Putin verlesen.

"Ich bin keine politische Person"

In ihrem Instagram-Post wehrte sich Netrebko nun auch dagegen, "Künstler oder irgendeine öffentliche Person zu zwingen, ihre politischen Ansichten öffentlich zu machen und ihr Vaterland zu beschimpfen". Dies sollte eine freie Entscheidung sein. "Ich bin keine politische Person", erklärte Netrebko. "Ich bin keine Expertin für Politik. Ich bin Künstlerin und mein Ziel ist es, über politische Unterschiede hinweg zu vereinen".

Ultimatum für Gergiev in München

Genau das ist aktuell in München Thema, denn dort steht der Chefdirigent der Münchner Philharmoniker und Putin-Freund Valery Gergiev mächtig unter Druck. Der Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter hatte ihm mit Rauswurf gedroht, wenn er sich nicht bis zum heutigen Montag eindeutig von dem russischen Angriffskrieg distanziere. Auch andere Institutionen, etwa die Hamburger Elbphilharmonie, drohten Gergiev mit der Absage von Auftritten.

Künstleragentur trennt sich von Gergiev

Fest steht schon jetzt, dass der russische Dirigent künftig ohne die Dienste seiner in München ansässigen Künstleragentur auskommen muss. Am Sonntag verkündete die Agentur Felsner Artists die Trennung vom Ausnahmemusiker. „Im Lichte des kriminellen Kriegs, den das russische Regime gegen die demokratische und unabhängige Nation der Ukraine, und gegen die offene europäische Gesellschaft als Ganzes führt, ist es für uns unmöglich und eindeutig unerwünscht geworden, die Interessen von Maestro Gergijew zu vertreten“, hieß es in einer Erklärung von Agenturchef Marcus Felsner. Seine Firma hatte den 68 Jahre alten Dirigenten seit Dezember 2020 vertreten.

Gergiev ist nicht nur Chefdirigent der Münchner Philharmoniker, sondern auch Intendant des Mariinski-Theaters in Sankt Petersburg. Der Träger des Titels „Held der Arbeit der Russischen Föderation“ steht Kremlchef Wladimir Putin nahe – so befürwortete Gergiev auch die russische Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim im Jahr 2014.

Metropolitan Opera lädt einige russische Künstler aus

Die Metropolitan Opera erklärte am Sonntag, sie werde nicht mehr mit Künstlern oder anderen Institutionen zusammenarbeiten, die sich für den russischen Präsidenten Wladimir Putin ausgesprochen haben. Peter Gelb, der Generaldirektor der Met, sagte, die Met, die seit langem Russen als Spitzensänger beschäftigt und eine Produktionspartnerschaft mit dem Bolschoi-Theater in Moskau unterhält, habe die Pflicht, das ukrainische Volk zu unterstützen.

"Wir glauben zwar fest an die herzliche Freundschaft und den kulturellen Austausch, der seit langem zwischen den Künstlern und künstlerischen Institutionen Russlands und der Vereinigten Staaten besteht", sagte Gelb in einer Videoerklärung, "aber wir können nicht länger mit Künstlern oder Institutionen zusammenarbeiten, die Putin unterstützen oder von ihm unterstützt werden.“ Gelb fügte hinzu, dass diese Politik so lange in Kraft bleibe, "bis die Invasion und das Töten gestoppt, die Ordnung wiederhergestellt und Wiedergutmachung geleistet worden ist".

Petrenko kritisiert den Krieg mit deutlichen Worten

Während Gergiev bisher beharrlich schwieg, hat der Chefdirigent der Berliner Philharmoniker, Kirill Petrenko, die Invasion Russlands mit scharfen Worten verurteilt: "Der heimtückische und völkerrechtswidrige Angriff Putins auf die Ukraine ist ein Messer in den Rücken der ganzen friedlichen Welt", sagte der aus Omsk in Russland stammende Petrenko in einer Mitteilung. "Es ist auch ein Angriff auf die Kunst, die bekanntlich über alle Grenzen hinaus verbindet."

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