Seiji Ozawa stirbt mit 88 Jahren: Ein Rückblick auf Japans berühmtesten Dirigenten

Seiji Ozawa stirbt mit 88 Jahren: Ein Rückblick auf Japans berühmtesten Dirigenten

Der weltberühmte japanische Dirigent Seiji Ozawa ist im Alter von 88 Jahren in seinem Haus in Tokio an Herzversagen gestorben, wie sein Management mitteilte.

Dirigentenstab auf NotenFoto: ©[Gabrièle]/stock.adobe.com

Der gefeierte Maestro war für seine engen Beziehungen zu mehreren amerikanischen Sinfonieorchestern bekannt - insbesondere zum Boston Symphonie Orchester, wo er von 1973 bis 2002 als Musikdirektor tätig war. 29 Jahre war Ozawa nunmehr in dieser Position, wodurch er den am längsten amtierenden Musikdirektor in der fast 150-jährigen Geschichte des Orchesters darstellt.

Aufgrund Ihrer Consent Einstellungen können Sie dieses YouTube Video nicht sehen.
Einstellungen Ändern

Der am 1. September 1935 im japanisch besetzten Mukden geborene Ozawa ließ sich zunächst zum Pianisten ausbilden und hatte eine besondere Vorliebe für die Musik von J.S. Bach. Nach seinem Abschluss im Jahr 1950 wurden Ozawas Träume, Konzertpianist zu werden, jedoch jäh unterbrochen, als er sich bei einem Rugbyspiel zwei Finger brach. Da er nicht mehr spielen konnte, nahm sein Lehrer den entmutigten Ozawa mit zu einer Aufführung von Beethovens "Kaiser"-Klavierkonzert. Diese Erfahrung erwies sich als wegweisend und mobilisierte Ozawa dazu, ein Dirigent von Weltrang zu werden.

Eine Reihe prestigeträchtiger Wettbewerbe, darunter der erste Preis beim Internationalen Wettbewerb für Orchesterdirigenten und der Koussevitzky-Preis von Tanglewood, brachten Ozawa größere Aufmerksamkeit. Nach seinem Studium bei Charles Münch in Tanglewood zog Ozawa nach West-Berlin, um als Stipendiat bei Herbert von Karajan zu studieren. Dort wurde er von Leonard Bernstein entdeckt, der ihn prompt zum Assistenzdirigenten der New Yorker Philharmoniker ernannte. Seiji Ozawa ist der einzige Dirigent, der sowohl von Karajan als auch von Bernstein unterrichtet wurde und damit ein großes musikalisches Erbe antrat.

Leonard Bernstein und Seiji Ozawa (Foto: Wolfgang Rückner)
Foto: Wolfgang Rückner
Leonard Bernstein und Seiji Ozawa (Foto: Wolfgang Rückner)

Sein großer Moment im Rampenlicht folgte schließlich 1973, als er Musikdirektor des Boston Symphonie Orchesters wurde. Seine Arbeit mit dem Boston Symphonie Orchester brachte ihm zwei Emmy Awards ein, den ersten 1976 für eine im Fernsehen übertragene Konzertreihe und den zweiten 1994 für "Individual Achievement in Cultural Programming". Im selben Jahr, in dem er den zweiten Emmy erhielt, ehrte das Boston Symphonie Orchester seinen Dirigenten, indem es ihm zu Ehren einen Konzertsaal einweihte. Die Seiji Ozawa Hall war die 20. Saison des Dirigenten mit dem Orchester.

Nach seinem Rücktritt als Musikdirektor des BSO im Jahr 2002 blieb Ozawa der Organisation eng verbunden und wirkte weiterhin als Lehrer und Administrator in Tanglewood mit. Später wurde er Chefdirigent der Wiener Staatsoper und dirigierte 2002 das berühmte Neujahrskonzert der Stadt. Eine Krankheit zwang Ozawa 2006 dazu, sich vom Wiener Dirigentenamt zurückzuziehen, aber er kehrte 2007 zurück und blieb bis 2010 im Amt.

Mit Seiji Ozawa verliert Japan seinen berühmtesten Dirigenten - und die Klassik-Welt eine große Persönlichkeit.

Aufgrund Ihrer Consent Einstellungen können Sie dieses YouTube Video nicht sehen.
Einstellungen Ändern

Wie Seiji Ozawa zu seinem Spitznamen - der "Hunderttausend Volt Dirigent" - gelangte, erfahren Sie hier.

Erhalten Sie Informationen aus erster HandBestellen Sie den Klassik Radio Newsletter

* Mit Ihrer Registrierung nehmen Sie die Datenschutzerklärung zur Kenntnis

Neueste Artikel

Christoph Maria Herbst in Einbeck: Kulturkrafttage mit großen Namen und neuen Ideen
Kulturkrafttage

Christoph Maria Herbst in Einbeck: Kulturkrafttage mit großen Namen und neuen Ideen

Ein denkmalgeschützter Kornspeicher, mehr als 400 Oldtimer – und mittendrin ein Festival, das bewusst anders sein will. Die Kulturkrafttage in Einbeck verbinden Musik, Sprache und Begegnung auf besondere Weise. Mit dabei: Schauspieler Christoph Maria Herbst.

„Bach in Space“: Wenn Bachs Musik auf Bilder des Universums trifft
Bach in Space

„Bach in Space“: Wenn Bachs Musik auf Bilder des Universums trifft

Bach und das Weltall – passt das zusammen? Pianistin Mona Asuka zeigt mit ihrem Konzertprojekt „Bach in Space“, wie überraschend gut sich die Musik Johann Sebastian Bachs mit spektakulären Bildern von Galaxien verbinden lässt. Ein Konzert, das das Publikum auf eine Reise zwischen Klang und Kosmos mitnimmt.

Von Renaissance bis Moderne - so klingt der Frühling in der Klassik
Flügel in einem Feld voll Tulpen

Von Renaissance bis Moderne - so klingt der Frühling in der Klassik

Der Frühling gehört zu den beliebtesten Motiven der Musikgeschichte. Doch jede Epoche nähert sich ihm auf ihre eigene Weise: In der Renaissance werden Vogelrufe zu Melodien, im Barock wird die Natur in Klang nachgeahmt, die Romantik verwandelt den Frühling in ein Gefühl, und in der Moderne wird er zur archaischen Kraft. Ein Blick darauf, wie sich das Erwachen der Natur durch die Jahrhunderte in der Musik widerspiegelt.

Klassik Radio - Deutschland nationalKlassik Radio - Deutschland national