Ein Orchester kann aus ein paar Dutzend Musikern bestehen – oder aus mehreren Tausend. Manche Geiger spielen auf Instrumenten, die Millionen wert sind, andere wiederum auf Karotten. Fünf Fakten aus der Welt der Orchester, bei denen selbst Beethoven kurz die Augenbrauen gehoben hätte.

Ein Orchester mit 80 Musikern ist groß. Mit 120 wird es richtig voll. Und bei 8.573 Musikern braucht der Dirigent vermutlich vor allem eines: gute Sicht.
So viele Musiker standen am 13. November 2021 in Caracas gemeinsam auf der Bühne und stellten einen Guinness-Weltrekord auf. Hinter dem gigantischen Klangkörper stand El Sistema, Venezuelas berühmtes Netzwerk von Kinder- und Jugendorchestern. Gespielt wurde Tschaikowskis Slawischer Marsch.
In Caracas musizierten mehr Menschen gleichzeitig, als in viele kleinere Stadien passen. Und das Orchester war erstaunlich altersgemischt. Die Teilnehmer waren zwischen 12 und 77 Jahre alt.
8.573 Menschen, ein Dirigent, ein Musikstück – und vermutlich der einzige Konzertsaal der Welt, bei dem man vom letzten Pult aus das Orchester nur noch mit dem Fernglas erkennen konnte.
Bei manchen Orchestern ist das teuerste Instrument der Konzertsaal. Beim Australian Chamber Orchestra sieht das ganz anders aus: Dort stehen Millionenwerte auf der Bühne – und zwar in Form von Geigen, Bratschen und Celli.
Das Orchester verfügt über eine außergewöhnliche Sammlung historischer italienischer Streichinstrumente. Darunter sind Instrumente von Stradivari, Guarneri del Gesù, Amati, Guadagnini und Maggini. Einige davon sind mehrere Jahrhunderte alt.
Allein vier Instrumente aus dem Instrumentenfonds des Orchesters – darunter eine Stradivari, eine Guarneri und zwei Amati – wurden zusammen mit rund 8 Millionen australischen Dollar bewertet. Das entspricht beim aktuellen Wechselkurs ungefähr 4,95 Millionen Euro.
Und die Sammlung wächst weiter: 2026 kam eine 1610 von Giovanni Paolo Maggini gebaute Bratsche hinzu.
Zum Vergleich: Für knapp fünf Millionen Euro könnte man auch eine ganze Menge Konzerttickets kaufen. Beim Australian Chamber Orchestra hängt ein beträchtlicher Teil dieser Summe dagegen einfach unter dem Kinn eines Musikers.
Ein Streichquartett zur Hochzeit? Kein Problem. Ein komplettes Orchester zum Geburtstag? Ebenfalls möglich – sofern das Budget mitspielt. Und dazu muss man nicht mal der Familie der Windsors angehören - nur der Geldbeutel sollte groß genug sein.
Das Schloss Schönbrunn Orchester in Wien veröffentlicht für die Saison 2026/27 sogar konkrete Einstiegspreise. Ein kleines Ensemble mit drei bis fünf Musikern gibt es ab 1.400 Euro. Sieben bis zehn Musiker kosten ab 2.900 Euro, eine große Besetzung mit 16 bis 42 Musikern ab 6.100 Euro.
Wer noch größer auffahren möchte, kommt schnell in eine andere Preisklasse. Das United Soloists Orchestra aus der Schweiz nennt für ein privates Konzert mit mindestens 25 Musikern einen Einstiegspreis von 20.000 Schweizer Franken– umgerechnet rund 21.200 Euro.
Und es geht noch höher: Für das Montreal Rhapsody Orchestra werden für private Veranstaltungen laut veröffentlichter Booking-Angabe 20.000 bis 30.000 US-Dollar aufgerufen (etwa 17.400 bis 26.100 Euro).
Natürlich ist damit nicht automatisch alles bezahlt. Je nach Auftrag können Reisekosten, Technik, zusätzliche Musiker, Übernachtungen oder Sonderwünsche hinzukommen.
Aber immerhin: Wer schon immer einmal zum eigenen Geburtstag mit einem Orchester überrascht werden wollte, muss dafür nicht erst ein Opernhaus kaufen.
Was passiert, wenn ein ganzes Sinfonieorchester plötzlich jünger ist als so manche Schulklasse? Beim National Youth Orchestra of Great Britain saßen Musiker, deren Durchschnittsalter gerade einmal 14 Jahre betrug.
Und „Jugendorchester“ klingt dabei fast harmlos: Auf dem Programm stehen Werke, für die selbst erfahrene Profis einiges an Übung brauchen. Die jungen Musiker des britischen National Youth Orchestra spielen große sinfonische Werke auf Konzertbühnen und gehen regelmäßig auf Tournee.
Zum Vergleich: Das Bundesjugendorchester in Deutschland nimmt Musiker zwischen 14 und 19 Jahren auf. Wer mit 14 also bereits auf dem Niveau eines großen Sinfonieorchesters spielt, gehört keineswegs mehr zur musikalischen Krabbelgruppe.
Während andere 14-Jährige vielleicht überlegen, ob sie ihre Hausaufgaben noch machen müssen, sitzen diese Jugendlichen bereits mit einer Geige, einem Fagott oder einer Trompete in einem ausgewachsenen Sinfonieorchester.
Eine Geige braucht Holz. Ein Cello braucht Holz. Eine Trompete braucht Metall. Das Wiener Gemüseorchester sagt: Man nehme einfach das, was gerade im Supermarkt liegt.
Seit 1998 baut das Ensemble seine Instrumente aus frischem Gemüse. Karotten werden zu Flöten, Gurken zu Klangkörpern, Auberginen zu Schlaginstrumenten und Lauch kann sogar als eine Art Saiteninstrument zum Einsatz kommen.Das klingt nach einer ziemlich absurden Schnapsidee. Ist aber ein echtes Orchester – und mittlerweile sogar ein Rekordhalter: Guinness World Records ehrt das Ensemble mit 344 Konzerten für die meisten Auftritte eines Gemüseorchesters.
Die Instrumente sind nicht gerade für ihre Langlebigkeit bekannt. Vor jedem Konzert werden die Gemüse-Instrumente frisch hergestellt. Während des Spiels trocknen sie aus, verändern ihren Klang oder werden schlicht zerlegt. Und danach? Was bei anderen Orchestern im Instrumentenkoffer landet, kann beim Gemüseorchester im Suppentopf landen.
Musik von der Karotte – und danach Karottensuppe. Viel näher kann ein Orchester dem Begriff „Instrumentenverwertung“ kaum kommen.
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