Weltpremiere in der Elbphilharmonie: "Echoes of Chagall"

Weltpremiere in der Elbphilharmonie: "Echoes of Chagall"

Wie klingt die Bilderwelt von Marc Chagall? Der Hamburger Komponist und Pianist Leon Gurvitch wagt das Experiment – mit „Echoes of Chagall“, einer musikalischen Reise in Chagalls schwebende Traumsphären. Er hat uns erzählt, wie aus Farben Klänge werden und ob es Parallelen zu Modest Mussorgskys "Bilder einer Ausstellung" gibt.

Leon GurvitchFoto: Leon Gurvitch, Henriette Mielke

In Hamburg wird die fantastische Bilderwelt Marc Chagalls jetzt zur Musik – am Sonntag hat „Echoes of Chagall“ Weltpremiere in der Elbphilharmonie. Dahinter steckt Komponist und Pianist Leon Gurvitch. Er ist seit langem ein großer Fan der Kunstwerke von Marc Chagall. Vor allem von der poetischen Bildsprache des Künstlers: "Chagalls Werke sind für mich nicht nur visuelle Kunst, sondern fast schon musikalische Räume, voller Bewegungen, Farben, Emotionen und Symbolik. Wenn man seine Bilder betrachtet, hört man gewissermaßen Musik. Man sieht schwebende Figuren, verschiedene Liebespaare, Tiere und Engel. Aber auch Erinnerungen an das jüdische Leben und an seine Heimat Belarus. Diese Atmosphäre wollte ich klanglich erfahrbar machen. (...) Das Werk habe ich für Bass und Klavier komponiert und versuche, nicht nur einzelne Bilder einfach zu illustrieren, sondern eher die emotionale und etwas spirituelle Welt Chagalls musikalisch widerzuspiegeln."

Anderer Ansatz als bei Mussorgskys "Bilder einer Ausstellung"

Und darin liegt auch ein großer Unterschied zu dem berühmten Zyklus "Bilder einer Ausstellung" von Modest Mussorgsky. "Mussorgsky reagiert sehr konkret auf einzelne Bilder von Victor Hartmann und führt den Hörer gewissenmaßen von Bild zu Bild", erklärt Leon Gurvitch. "In meinem Fall, im Werk 'Echos of Chagall', geht es eher um die poetische Annäherung an Chagalls Universum insgesamt. Und wenn es eine Gemeinsamkeit gibt, dann vielleicht die Idee eines Dialogs zwischen Kunstformen. Der Unterschied liegt darin, dass 'Echoes of Chagall' stärker von Stimmungen, Farben und vielleicht Erinnerungen inspiriert ist, als von einer linearen Ausstellung."

Chagalls Werk als musikalischer Traum

Doch auch wenn "Echoes of Chagall" nicht einzelne Bilder des Künstlers musikalisch interpretiert, bestimmte Werke und Motive von ihm haben Leon Gurvitch besonders inspiriert. So z.B. die schwebenden Liebespaare oder Dorfszenen aus seiner Heimat. "Diese wiederkehrenden Elemente tragen eine starke Symbolik von Liebe, Erinnerung, Spiritualität und Freiheit. In meiner Musik in 'Echoes of Chagall' versuche ich, genau diese Atmosphäre einzufangen: das Gefühl des Schwebens, die Mischung aus Melancholie und Hoffnung, aber auch das Traumhafte und vielleicht auch das Humorvolle. Also man könnte sagen, dass meine Komposition eher ein musikalischen Traum über Chagalls Werk ist, als eine direkte Vertonung einzelner Gemälde."

„Echoes of Chagall“ verspricht, Chagalls poetische Bildwelt in Klang zu verwandeln – als musikalische Annäherung an ein Universum aus Farben, Träumen und Erinnerungen. Bei der Uraufführung in der Elbphilharmonie kann das Publikum nun zum ersten Mal in diesen musikalischen Traum eintauchen.

Klara Jäger / 19.03.2026

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